RECHTSSTAATLAND -
UND SEINE SORGE FÜR DIE SCHUTZBEFOHLENEN

Ein modernes Märchen

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen, sowie sämtliche Handlungen

wären rein zufällig und sind nicht beabsichtigt !

 

KAPITEL III - DER PROZESS



 

Die WEHRHAFTE verließ eilends den Ort der üblen Verleumdung, und im Schutze ihres Fuhrwerks ließ sie den Tränen freien Lauf. Sie war stolz, ob ihrer neu gewonnenen Stärke, wodurch sie den hässlichen Worten des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS lange standzuhalten vermochte. Dennoch ward ihr bewusst, dass es noch viel der Übung bedurfte, um solchen Anfeindungen auch weiterhin Paroli bieten zu können. Als ihre Tränen versiegt, informierte sie die NOTHELFER, welche allen Geschundenen der Provinz in der Not zur Seite standen. Diese versprachen mit dem neuen LEHNSHERRN zu bereden, wie man gegenseitig Übereinkunft erreichen könne. Danach lenkte sie etwas erleichtert ihr Fuhrwerk gen Heim und kontaktierte alsbald das GEMEINWOHL, welches ebenfalls versicherte, sich der Klärung behilflich zu zeigen, denn es galt, die getroffene Übereinkunft mit der neuen VASALLIN des LEHNSHERRN zu bestätigen - entgegen derer neuerlichen Beteuerung, dass solch Vereinbarung nie getroffen ward.

Die anderen Mägde und Knechte erkundigten sich nach dem Verlauf des Disputs und die WEHRHAFTE erzählte ihnen von den üblen Worten des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS, und dass im Besonderen das Zeugnis der NEIDERIN für alle Anschuldigungen genannt ward. Da waren die Kollegen sehr böse und schimpften mit der NEIDERIN ob deren Falsch, sodass diese am nächsten Tag eine Bulle sandte, worin sie widersprach und bat, die WEHRHAFTE möge den Worten der Lüge weder Treu noch Glauben schenken.

Kurz darauf schrieb das GEMEINWOHL dem bösen WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS, dass man nach Verstreichen eines weiteren Mondes zusammen kommen und die Angelegenheit gemeinsam erörtern wolle, besonders im Hinblick auf die getroffene Vereinbarung mit der neuen VASALLIN, dass die WEHRHAFTE nach Ablauf von 2 Monden wieder in die Dienste treten dürfe.

Obwohl sich NOTHELFER und GEMEINWOHL beide um Kontakt und Klärung bemühten, verging ein weiterer, halber Mond ohne eine Nachricht, und so verstrich auch der Termin der vereinbarten Rückkehr, ohne eine Meldung. Da sandten die NOTHELFER ein Bulle mit Termin zur Vorsprache im Hause des neuen LEHNSHERRN, und die Wehrhafte begab sich an besagtem Tage mit klopfendem Herzen erneut an den Ort der üblen Worte.

Wiederum nahm das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS keinerlei Blatt vor den Mund und wiederholte selbst vor den Abgesandten der NOTHELFER ihre üblen Verleumdungen. Die WEHRHAFTE habe nie ihr Soll erfüllt, sondern immer getrödelt und zudem ohn' Not ob ihres großen Tagwerks gejammert. Eine andere Magd habe aber all diese Arbeit innert kurzer Zeit und zusätzlich zu deren eigener Pflicht verrichten können. Außerdem würden sich die Mägde und Knechte weigern, gemeinsam mit der WEHRHAFTEn ihre Frondienste zu verrichten, da sie diese angeblich niemals leiden mochten. Schn ob dieser Verweigerung der Zusammenarbeit, dürfe die WEHRHAFTE nicht mehr zurückkehren und als Zeugnis aller üblen Verleumdung nannte das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS erneut die NEIDERIN.

Die WEHRHAFTE hörte geduldig die Anschuldigungen und üblen Verleumdungen und als das WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS geendet, sagte sie nur, das sei alles ohne Treu und Niemand könne dem Glauben schenken. Trotzdem schlug sie vor, im Kreise der Mägde und Knechte und ebenso den VASALLEN über alle möglichen Schwierigkeiten zu disputieren, um Hindernisse vor ihrer Rückkehr aus dem Wege zu räumen. Doch da erschrak das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS - lief es doch Gefahr, dass dessen eigenen Lügen aufgedeckt und es selbst in Verruf geraten könne. Auch hatte die WEHRHAFTE Kenntnis schwarzer Geheimnisse, die sie möglicherweise ans Tageslicht brachte, sofern sie tatsächlich in das Haus des neuen LEHNSHERRN zurückkehrte. Daher behauptete es, dass es selbst keinerlei Befugnisse habe und daher erst mit der neuen VASALLIN reden müsse, da diese alleine mit Handhabe ausgestattet sei, um Entscheidungen zu treffen. Sie versprach, nachdem die Sonne 3 Male am Horizont auf- und wieder untergegangen war, würde sie der WEHRHAFTEn die Entscheidung der VASALLIN zur Kenntnis bringen.

Doch die Tage vergingen ohne Nachricht. Da schrieb die WEHRHAFTE als letzte Hoffnung an einen ihr wohlgesonnenen Knecht und bat um Hilfe. Sie schilderte ihm, wie das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS ihre Rückkehr verhinderte und dass sie nun vergeblich auf eine Antwort wartete. Der Knecht verbrachte ihre Nachricht dem neuen VASALLEN des LEHNSHERRN, der ein gerechter und guter Mann war und Lösung verschaffen sollte. Dieser setzte sich mit der WEHRHAFTEn in Verbindung und nachdem diese ihm ihr Leid geklagt, bat er um Abbitte, da er solch Verhalten niemals zuvor bei dem großen LEHNSHERRN erlebt hatte. Er versprach Klärung und Hilfe und Meldung alsbald.

Kurze Zeit später kam eine Bulle von dem ADVOKATEN des WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS. Man verweigerte ihr die Rückkehr, da man nicht glaube, sie könne wieder ihre Dienste wie gewohnt verrichten. Außerdem forderte man Zeugnis, dass sie wieder zu 100% ohne körperlich Makel nach einer gewährten Schonzeit der Arbeitsaufnahme wäre. Doch wie konnte man eine Garantie geben, wo es für nichts eine Gewähr gab? Die WEHRHAFTE hatte Schaden an Körper und Gesundheit, welche nicht wieder zu beheben waren, auch nach längster Zeit der Schonung. Doch dies war nicht ihr Ansinnen, sie war bereit und fähig die gewohnten Dienste zu tun, das alleine zählte.

Sie beschloss ein letztes Mal zu appellieren, bevor sie selbt zum ADVOKATEN ging, was gleichbedeutend mit dem Verlust der Rückkehr zu setzen war. Sie schrieb, dass sie nicht zum ADVOKATEN gehen wolle und bereit wäre alles zu tun, was man von ihr verlangte, wenn man sie nur instruieren würde. Doch eine Meldung blieb weiterhin aus. Auch der neue VASALL brach sein Versprechen, und der WEHRHAFTEN wurde es ganz bang. Da sandte das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS ein hinterlistig' Nachricht, dass man sie gerne nochmals einladen würde, um alles zu besprechen. Als Teilnehmer der Runde nannte sie die neue VASALLIN, den neuen VASALLEN und sich selbst. Da stimmte die WEHRHAFTE erfreut zu und ging frohen Mutes zu dieser Zusammenkunft, da sie hoffte, endlich alles zu klären und so zu ihrem Recht zu kommen. Sie vertraute auf die Anwesenheit der neuen VASALLIN und besonders des neuen, netten VASALLEN des LEHNSHERRN, der ihr zuvor Abbitte geleistet und seinen Beistand versprochen hatte.

Am Morgen der Zusammenkunft hatte die WEHRHAFTE ein ungut' Gefühl, denn ihr Bauch sagte, dass etwas nicht stimme und sie sich daher in Acht halten solle. So sprach sie mit unguter Ahnung vor. Sie beschloss, nur anzuhören, welch Ansinnen man vorbrachte - ohne eigene Rechtfertigung. Es gab nie einen Beweis für die üblen Verleumdungen, und so behielt sie ihre Argumente für einen möglichen Termin vor dem KADI, welcher mit Sicherheit alsbald stattfinden würde.

Als sie den Hof betrat, freuten sich die Mägde und Knechte. Sie umarmten und küssten sie und fragten, wann sie endlich wiederkommen und mit ihnen zusammen sein würde, und auch das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS machte freundlich Mine bei der Begrüßung. Doch sobald die Tür geschlossen ward, blies die neue VASALLIN in das gleiche Horn des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS. Sie verleumdete die WEHRHAFTE mit schlimmen Worten und bestritt je eine Übereinkunft mit dem GEMEINWOHL der WEHRHAFTEN getroffen zu haben. Sie schloss, ob all ihrer schlimmen Vergehen, könne man solch Bedienstete beim neuen LEHNSHERRN nicht gebrauchen, und daher solle sie zu ihrem ADVOKATEN gehen und sich mit dem Aufheben des Kontrakts unter Zahlung eines kleinen Obulus einverstanden erklären.

Zu all diesen Anschuldigungen schwieg der neue VASALL, doch die WEHRHAFTE sah sein groß und schmerzlich Bedauern und auch die Entschuldigung in seinem hilflos Blick. Unvorstellbar mit welchen Mitteln man ihn mundtot machen konnte, und auch als sie ging, fand er nur einen traurig Blick, kein klärend Wort für sein Schweigen. Zurück in ihrem Gefährt weinte die WEHRHAFTE erneut bittere Tränen der Enttäuschung, doch auch diese Schmach vermochte sie umso mehr zu stärken. Bereits 3x erduldete sie schlimme Anschuldigungen, ohne sich zu wehren, denn sie sammelte alle Argumente, um zu gegebener Zeit und erst nach Vorlage von Beweisen darauf zu reagieren. Da kein schlüssig Beweis ohne Lug und Trug möglich, konnte sie gelassen einem Termin beim KADI entgegen blicken. Sie redete mit ihrem ADVOKATEN und dieser schrieb dem ADVOKATEN des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS, dass alles Vorgebrachte ohne Spur des Beweises, jegliches Ansinnen ohne Grundlage sei und daher sofort die Gewähr zur Rückkehr erteilt werden müsse. Doch die ADVOKATIN des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS rief den ADVOKATEN der WEHRHAFTEN an und teilte ihm mit, dass man sie sehr gerne wieder in ihren Diensten wisse, es momentan jedoch keinerlei Möglichkeit gab, sich besonders um die WEHRHAFTE zu kümmern. Man stellte 9.000,- Talerchen in Aussicht, sofern die WEHRHAFTE auf eine Rückkehr verzichtete. Doch die WEHRHAFTE weigerte sich und so schrieb ihr ADVOKAT erneut an die Gegenpartei. Daraufhin erhielten sie die Meldung, dass nun plötzlich der Dienstbereich der WEHRHAFTEN verschwunden sei und man sie schon alleine aus diesem Grund nicht mehr benötigen würde. Als Entschädigung erhöhte man nun auf 12.000,-Talerchen, um die WEHRHAFTE gefügig zu machen, zumal dies viel mehr wäre, als ihr von Rechten her zustünde. Doch die WEHRHAFTE verweigerte erneut die Zustimmung, sie wollte ihre Dienste tun und bat daher ihren ADVOKATEN beim KADI vorzusprechen, damit dieser ein gerecht Urteil fälle.

Zwischenzeitlich hatte das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS keine Zeit verstreichen lassen und bei den NOTHELFERN um Zustimmung zur Entfernung aus den Diensten angefragt, doch der ADVOKAT der WEHRHAFTEN bat per Dekret um Vertagung der Entscheidung, bis zur Anhörung vor dem KADI und dessen gerechtem Urteil.

Dann kam der Sühnetermin am Hofe des KADI. Dieser hatte sich zuvor alle Unterlagen bringen lassen, bevor er die Zerstrittenen zu sich einlud. Obwohl der KADI darauf bestanden hatte, dass das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS ebenfalls erscheinen solle, schickte dies nur seinen ADVOKATIN, welche sich wirr und unwissend zeigte und sich ob ihrer schlechten Vorbereitung entschuldigte. Dies war dem KADI unverständlich, da bereits 6 lange Monde seit dem ersten Begehr zur Rückkehr der WEHRHAFTEN ins Land gegegangen waren. Alles was die ADVOKATIN anzubieten hatte, war ein erneut erhöhtes Gebot auf 13.000,- Talerchen, welches nun endlich den gierigen Mund der WEHRHAFTEN stopfen und dem ganzen Disput ein finales End setzen sollte. Doch auch diesmal weigerte sich die WEHRHAFTE. Sie bestand auf Rückkehr und bat den KADI um genaue Inaugenscheinnahme, wobei sie ganz auf sein gerecht Urteil vertraute. Somit endete dieser Termin ohne Übereinkunft und die ADVOKATEN begannen ihre Schlacht.

Zunächst musste die Gegenseite dem KADI darlegen, aus welch explizit Grund man gegen eine Rückkehr war, und dies tat der vertretende ADVOKAT mit bösen, verleumderischen Behauptungen. Man führte an, dass der neue LEHNSHERR nun nur noch einen verbliebenen Kunden habe und alle Dienste, welche die WEHRHAFTE bisher erledigt habe, nun nicht mehr von Nöten wären. Man habe zwar einen Ersatz für sie eingestellt, dieser wäre aber besser als sie und sei nur behilflich, bis man alle neuen Regelungen umsetzen konnte. In naher Zukunft wäre kein Platz mehr in den Stuben des neuen LEHNSHERRN, es verblieben nur noch Knechte in den Stallungen, um die Dienste zu verrichten. Für alle Behauptungen wurden das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS und die neue VASALLIN dem KADI als Zeugen benannt. Darauf erwiderte der Advokat der WEHRHAFTEn, zu welch großen Ehren die WEHRHAFTE in ihrem Leben gekommen war und welch großes Wissen sie sich erarbeitet hatte, und dass sie daher besser als jeder Fremde geeignet sei, die verbliebene Arbeit zu verrichten. Man schlug vor, die Vertreter des GEMEINWOHLs und der NOTHELFER zu laden, um deren Zeugnis als Bestätigung zu erhalten. Da verhöhnte die Gegenseite die WEHRHAFTE mit perfiden Worten. Es sei ihnen egal, ob und wann die WEHRHAFTE ihr großes Wissen erarbeitet und auch wann sie wofür geehrt worden war. Der neue Knecht wäre nur bis zum Ende des Jahres hilfreich und würde dann ebenfalls zu Hause bleiben müssen.

So zerstritten erschienen beide Parteien erneut vor dem KADI. Das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS und seine ADVOKATIN kamen ohne Unterstützung durch Vertreter des neuen LEHNSHERRN, und die WEHRHAFTE war verwundert, dass der KADI keine Zeugen geladen hatte, die jeweils die Aussagen bestätigen konnten. Mit bangem Gefühl betrat sie die Stube des KADI, da sie zum ersten Male in einem solchen Raume zu agieren hatte. Der KADI verlas die Klageschrift und die Gegendarstelluung und hörte die jeweiligen Stellungnahmen. Als die ADVOKATIN des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS an der Reihe war, hörte der KADI mit besonderer Sorgfalt zu und stellte gezielt Fragen, die diese nicht oder nur unzureichend, ob ihrer wiederum sehr schlechten Vorbereitung, beantworten konnte. Sie verstrickte sich in Widersprüche und konnte auch sonst nur vage Andeutungen machen, ohne jeglich Pfand. Die WEHRHAFTE war empört, ob all dieser Lügen, da ihre Kollegen sie über alle Vorkommnisse in der Firma auf dem Laufenden gehalten hatten. Sie wollte ihrem ADVOKATEN sagen, dass er Einhalt gebieten solle, doch dieser beruhigte sie. Sie solle abwarten und den KADI und die ADVOKATIN der Gegenseite alleine streiten lassen. Erst wenn die Argumente ausgingen, oder der KADI den üblen Lügen Glauben schenkte, dann würde er selbst eingreifen. So stritten die beiden eine geraume Zeit.

Der KADI sagte zu der ADVOKATIN, dass sie zugeben müsse, als Vertretung der WEHRHAFTEn würde sie die dünnen Beweise und Lügen der Gegenseite in der Luft zerreißen. Daraufhin versuchte die ADVOKATIN eine letzte List und behauptete, sie habe in den Gesetzesbüchern des Rechts irgendwo irgendwas gelesen, wonach der KADI ohn' jeden Zweifel zu ihren Gunsten entscheiden müsse. Man fühlte, dass der KADI ob solch' Dreistigkeit nach Fassung ringen musste. Er verließ den Raum, und holte aus seiner Amtsstube 2 dicke Gesetzesbücher, wovon er eines der ADVOKATIN hinlegte, damit diese die besagt wichtige Stelle heraussuchen könne. Nach geraumer Zeit benannte sie eine mögliche Stelle, doch der KADI winkte ab, da diese aus vollkommen anderem Zusammenhang gerissen war. Im Gegenzug fand er eine Stelle, die genau das Gegenteil bewies, sodass sie zustimmen musste und man übereinkam, dass es somit keine, von der ADVOKATIN benannte Stelle geben konnte. Der KADI bot nun im Namen der Gegenseite eine Summe von 14.000,- Talerchen, und die WEHRHAFTE ging mit ihrem ADVOKATEN vor die Tür zur Beredung. Der ADVOKAT riet ihr, darauf einzugehen, da diese angebotenen Talerchen viel mehr wären, als ihr der KADI womöglich in einem Urteil zusprechen durfte. Doch die WEHRHAFTE sagte, dass ihr die Talerchen egal wären. Sie müsse ein klares Urteil haben und daher solle der KADI Recht sprechen. Man kam in den Gerichtsraum zurück und der ADVOKAT teilte dem KADI die Entscheidung mit, dass man auf sein weises und gerechtes Urteil hoffe. Dann verließ die Gegenseite den Raum und der KADI sprach eindringlich auf die WEHRHAFTE ein. Sie müsse feststellen, dass man sie loswerden wolle, egal was es koste und dass es keine schöne Rückkehr geben könne. Sie solle bedenken, wie schwer man es ihr machen und wie schlimm man sie behandeln würde. Doch die WEHRHAFTE blieb bei ihrer Entscheidung, dass sie wieder zurück in die Dienste des LEHNSHERRN wolle, da sie keine andere Möglichkeit der Dienstbarkeit hatte. Danach kam die Gegenseite zurück und der KADI wies die WEHRHAFTE an, sich die Ohren zuzuhalten, da er nun der ADVOKATIN und dem bösen WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS einige mahnend Worte sagen musste. Er erklärte den Beiden, dass die WEHRHAFTE zurück an ihre Arbeit gehen dürfe. Fürderhin drohte er, sofern man die WEHRHAFTE nicht so behandele, wie dies Rechtens sei, würde man die Beiden wiederum vor den KADI zitieren, der sie dafür streng bestrafte. Ob solchen Verhaltens könnten sie keinerlei Gnade von seiner Seite erwarten. Es waren keinerlei Zeugen geladen, da er auch ohne diese genügend Einblick und Information erhalten hatte, um zu einem gerechten Urteil zu gelangen. Vor allem waren dadurch die neue VASALLIN des LEHNSHERRN und mögliche, andere Zeugen der Gegenseite vor einem falsch Zeugnis am Hofe des KADI verschont.

Obwohl er versuchte, das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS von weiterem falschen Zeugnis zu bewahren, ergriff dies selbst voll verbissenen Hasses und ungefragt das Wort, um seine Lügen kundzutun. Mit einer Stimme voller Falsch versicherte es dem KADI, dass man die WEHRHAFTE sehr gerne weiterhin in Diensten gehalten hätte, aber nur ein einzig' Käufer und somit kaum mehr Arbeit verblieben wäre. Der neue Knecht sei nur hilfreich bis zum Ende des Jahres und danach würde er und viele andere Mägde und Knechte das Haus des neuen LEHNSHERRN verlassen müssen, um sich eine neue Fron zu suchen.

Nach diesem unnötigen Falsch schloss der KADI den Disput und schickte die zerstrittenen Parteien nach Hause. Das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS zischte beim Verlassen des Raumes, dass die WEHRHAFTE nie wieder zurück kommen dürfe und sie alles dafür gäbe, dies umzusetzen, egal wieviele Talerchen dies kostete. Wie alle unvorsichtig geäußerten Worte, speicherte die WEHRHAFTE auch dies wichtig Detail ab, um bei nächster Gelegenheit darauf aufzubauen.

Nun warteten alle gespannt auf das gesprochene Urteil des KADI und nach einigen Tagen traf seine Entscheidung ein. Er bestimmte, dass die WEHRHAFTE umgehend an ihre Stelle zurückkehren dürfe und der neue LEHNSHERR sie besonders schonend auf ihren neuen Dienste einarbeiten musste. Die WEHRHAFTE freute sich und teilte ihren Kollegen die frohe Kunde mit, doch zur gleichen Zeit entschieden die NOTHELFER zu Schad der WEHRHAFTEN. Sie glaubten dem falsch' Zeugnis des bösen WEIBes der GESCHWISTER SKRUPELLOS und erlaubten, dass dies die WEHRHAFTE aus den Diensten des neuen Lehnsherrn entfernen dürfe.

Nun war die WEHRHAFTE traurig, es war ihr unverständlich, wie die NOTHELFER wider besseren Wissens so entscheiden konnten. Sie waren zugegen, als das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS sie beschuldigt und verleumdet hatte, also hatten sie Kenntnis der wahren Gründe für deren Begehr, sie loszuwerden. Die WEHRHAFTE beschloss, nun ihrerseits auf eine Rückkehr zu verzichten, obwohl der KADI zu ihren Gunsten Recht gesprochen hatte. Das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS solle aber nicht ungeschoren davon kommen und soviel als möglich dafür zahlen. So nannte sie ihrem ADVOKATEN die unfassbar Summe von 25.000.- Talerchen, wofür sie bereit wäre, auf ihre Rückkehr zu verzichten. Die Gegenseite schluckte ob der hohen Summe, doch bereits 1 Stunde später schickte man das Einverständnis, sofern die WEHRHAFTE auf weitere Forderungen verzichten würde. Die WEHRHAFTE stellte jedoch noch weitere Forderungen, und nachdem die Gegenseite zähneknirschend auch hierzu einwilligte, wurde der Kontrakt geschlossen.

Nun begann die WEHRHAFTE ihre Beweise zu sichten, die sie während der ganzen schlimmen Zeit penibel dokumentiert hatte. Das böse WEIB der GESCHWISTER SKRUPELLOS durfte nicht unbeschadet aus dieser Sache herauskommen, aller Schaden und all Schmach musste gesühnt werden, damit sie für ihre Vergehen zahlte. Die vielen Talerchen löhnte der neue LEHNSHERR, ohne wohl Kenntnis der perfiden Vorgehensweise des bösen WEIBES der GESCHWISTER SKRUPELLOS zu haben.

Die WEHRHAFTE legte ihre Tarnkappe ab und bevor der Tag zur Neige ging, entstieg sie wiederum wie ein Phönix erstarkt aus ihrer Asche als KRIEGERIN.



 

UND DIE MORAL VON DER GESCHICHT'

BLEIB' COOL UND WAHRE DEIN POKERGESICHT

WENN DU DEIN ZIEL ZU VERBISSEN ANVISIERST

DU SCHNELL DIE NÖTIGE VORSICHT UND DECKUNG VERLIERST!



 

© Liane Porger

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